- Worum es bei der gesplitteten Abwassergebühr geht
- Vier Wege, versiegelte Flächen zu erheben
- Was eine Versiegelungskartierung aus dem Orthophoto liefert
- Veränderungen seit der letzten Erhebung erkennen
- Was die Verwaltung vor der Erhebung festlegt
- Wo das Luftbild nicht weiterhilft
- Aus einer Befliegung mehrfach Nutzen ziehen
- Häufig gestellte Fragen zur Erhebung versiegelter Flächen
Die Niederschlagswassergebühr richtet sich nach der Fläche, von der Regenwasser in die öffentliche Kanalisation gelangt. Auf den Grundstücken verändert sich diese Fläche laufend: Es wird angebaut, gepflastert und entsiegelt. Kommt ein Widerspruch, muss die Verwaltung zeigen, worauf ihre Zahl beruht und welchen Stand sie hat.
Dieser Beitrag stellt vier Wege vor, versiegelte Flächen zu erheben, und beschreibt, was ein aktuelles Orthophoto dabei leistet und wo es nicht weiterhilft.
Worum es bei der gesplitteten Abwassergebühr geht
Bei der gesplitteten Abwassergebühr wird das Schmutzwasser nach dem Frischwasserverbrauch abgerechnet, das Niederschlagswasser nach der bebauten und befestigten Fläche, die an die Kanalisation angeschlossen ist. Welche Flächenarten zählen, wie Gründächer, Rasengittersteine oder Versickerungsanlagen behandelt werden und welche Abschläge gelten, regelt die Abwassersatzung der jeweiligen Kommune.
Für die Verwaltung heißt das: Sie braucht je Grundstück eine Flächenangabe, die zur Satzung passt, einen Stichtag hat und sich bei Rückfragen belegen lässt.
Vier Wege, versiegelte Flächen zu erheben
| Weg | Datenstand | Aufwand für die Verwaltung | Grenzen |
|---|---|---|---|
| Selbstauskunft der Eigentümer | so aktuell wie die letzte Rückmeldung | Fragebögen versenden, Rückläufe prüfen und nachfassen | Angaben sind schwer zu prüfen; spätere Änderungen werden oft nicht gemeldet |
| Amtliches Luftbild (DOP) mit ALKIS | Turnus der Landesbefliegung, zum Nutzungszeitpunkt oft mehrere Jahre alt | Auswertung im eigenen GIS oder durch einen Dienstleister | bei 10 bis 20 cm Bodenauflösung sind schmale Beläge, Fugenpflaster und Kanten schwer abzugrenzen |
| Befliegung zum Stichtag | Tag der Befliegung, frei wählbar | Gebiet und Flächenarten festlegen, Ergebnis im GIS übernehmen | Flächen unter Bäumen und Dachüberständen sind von oben verdeckt |
| Begehung vor Ort | Tag der Begehung | Termine je Grundstück, Zutritt nötig | bei vielen Grundstücken kaum leistbar; Hinterhöfe oft nicht einsehbar |
Die Wege schließen sich nicht aus. Ein aktuelles Luftbild kann die vorhandenen Selbstauskünfte ergänzen: Wo beide übereinstimmen, bleibt es dabei. Wo sie abweichen, fragt die Verwaltung gezielt nach.
Was eine Versiegelungskartierung aus dem Orthophoto liefert
Aus einer Befliegung entsteht ein Orthophoto, also ein lagerichtiges Luftbild, mit 2 bis 3 cm Bodenauflösung zum Stichtag Ihrer Wahl. Darauf lassen sich Dächer, Pflaster, Asphalt, Rasengitter und Grünflächen voneinander abgrenzen. Die Versiegelungskartierung macht daraus Flächenobjekte:
- versiegelte und begrünte Flächen je Grundstück, klassifiziert nach den Flächenarten Ihrer Satzung
- Erfassungsdatum und Quelle an jeder Fläche, damit Rückfragen nachvollziehbar beantwortet werden können
- Übergabe als Ebene in Ihr GIS, bereit für den Abgleich mit dem Gebührenbestand; das Orthophoto selbst als GeoTIFF im Raumbezug ETRS89/UTM
Die Flächen sind eine Datengrundlage mit dokumentierter Methode und Stichtag. Die gebührenrechtliche Bewertung und die Bescheide bleiben Sache der Kommune.
Veränderungen seit der letzten Erhebung erkennen
Liegt eine frühere Erfassung als Vektordaten vor, wird das neue Orthophoto darübergelegt. Abweichungen fallen dann auf einen Blick auf: neue Anbauten und Carports, zusätzlich gepflasterte Hofflächen, abgerissene Nebengebäude. Das Ergebnis ist eine Liste der Grundstücke mit Auffälligkeiten, die die Verwaltung gezielt prüft, statt jedes Grundstück neu anzufassen.
Dafür muss der Lagebezug stimmen. Sind alter und neuer Stand gegeneinander versetzt, entstehen Scheinänderungen. Deshalb wird die Lage vor dem Vergleich an festen Punkten wie Gebäudeecken geprüft.
Was die Verwaltung vor der Erhebung festlegt
- Flächenarten: welche Kategorien die Satzung unterscheidet, damit die Klassifizierung dazu passt
- Gebiet und Stichtag: ganze Gemarkung oder einzelne Ortsteile, Befliegung bevorzugt in der laubfreien Zeit
- Abgleich: mit welchen Bestandsdaten die Flächen verglichen werden, etwa Gebührenbestand und ALKIS
- Datenschutz: Luftbilder eines Gemeindegebiets sind personenbezogene Daten, weil sie sich Grundstücken zuordnen lassen. Die Rechtsgrundlage liegt bei der Kommune; Aufnahmeumfang und Rollenverteilung werden vor der Befliegung vertraglich festgelegt.
Wo das Luftbild nicht weiterhilft
Ob eine Fläche tatsächlich an die Kanalisation angeschlossen ist oder auf dem Grundstück versickert, zeigt kein Luftbild. Dafür bleiben Kanalkataster, Entwässerungsantrag und die Angaben der Eigentümer maßgeblich. Auch Flächen unter dichten Baumkronen oder unter weit auskragenden Dächern sind von oben nicht vollständig zu sehen; sie werden im Ergebnis gekennzeichnet.
Aus einer Befliegung mehrfach Nutzen ziehen
Dieselbe Befliegung, die die Flächen für die Gebühr liefert, ergibt auch ein aktuelles Ortslagen-Orthophoto für das GIS und, auf Wunsch, ein Geländemodell für die Starkregenvorsorge. Wie die Versiegelungskartierung bei AerIQ abläuft und was sie umfasst, steht auf der Seite Versiegelung und Abwassergebühr.
Häufig gestellte Fragen zur Erhebung versiegelter Flächen
Wie genau sind die ermittelten Flächen?
Mit RTK liegt die Lagegenauigkeit im Ergebnis üblich bei 1 bis 3 cm, an Passpunkten prüfbar. Bei 2 bis 3 cm Bodenauflösung hängt die Flächengenauigkeit vor allem davon ab, wie sauber sich die Kanten abgrenzen lassen, etwa bei Schatten oder fließenden Übergängen.
Kann das Luftbild den Kanalanschluss zeigen?
Nein. Leitungen im Boden und der Anschlussstatus sind von oben nicht erkennbar. Das Luftbild liefert die Fläche; den Anschluss klären Kanalkataster, Entwässerungsantrag oder die Angaben der Eigentümer.
In welchem Format kommen die Daten ins GIS?
Das Orthophoto als georeferenziertes GeoTIFF im Raumbezug ETRS89/UTM, die Flächen als Ebene im Format Ihres GIS. Welche Attribute die Flächen tragen sollen, etwa Flächenart, Größe und Erfassungsdatum, wird vor der Befliegung abgestimmt. Das spart Nacharbeit beim Import.
Wann ist der beste Zeitpunkt für die Befliegung?
In der laubfreien Zeit vom späten Winter bis zum Frühjahr, bei trockener Witterung und ohne Schnee. Dann sind mehr Flächen unter Bäumen sichtbar. Den festen Termin legen wir nach Prüfung des Gebiets im Angebot fest.