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Technologie

Warum fliegt eine Drohne? Flugphysik, Stabilisierung, GNSS und RTK erklärt

Warum fliegt eine Drohne? Flugphysik, Stabilisierung, GNSS und RTK erklärt

Eine Windböe fährt über das Feld, die Drohne ruckt kurz zur Seite – und steht einen Wimpernschlag später wieder exakt an ihrer Position. Was nach Selbstverständlichkeit aussieht, ist das Ergebnis von hunderten Regelentscheidungen pro Sekunde, vier präzise angesteuerten Motoren und einer Satellitennavigation, die im besten Fall auf zwei Zentimeter genau weiß, wo das Fluggerät gerade ist. Dieser Beitrag erklärt, warum eine Drohne fliegt: vom Auftrieb über die Flugstabilisierung bis zu GNSS und RTK.

Ruhig stehen in bewegter Luft: Der Flugregler gleicht jede Störung aus, bevor sie mit bloßem Auge sichtbar wird.

Der Auftrieb: Luft nach unten, Drohne nach oben

Ein Multicopter hat keine Tragflächen – sein Auftrieb entsteht vollständig an den Propellern. Jedes Rotorblatt ist ein kleiner rotierender Flügel: Es beschleunigt Luft nach unten, und nach dem Wechselwirkungsprinzip der Mechanik drückt die Luft mit derselben Kraft zurück nach oben. Dazu kommt die Profilwirkung des Blattes, an dem die Strömung auf der Oberseite schneller läuft als auf der Unterseite und so eine Druckdifferenz erzeugt.

Die Bilanz ist simpel: Erzeugen die vier Propeller zusammen mehr Schub, als die Drohne wiegt, steigt sie. Erzeugen sie weniger, sinkt sie. Halten sich Schub und Gewicht exakt die Waage, schwebt sie – der energieintensivste Flugzustand überhaupt, denn anders als ein Flugzeug kann ein Multicopter nicht gleiten. Fallen die Motoren aus, fällt die Drohne. Deshalb fließt ein großer Teil der Akkukapazität schlicht ins Halten der Höhe.

Nahaufnahme eines Drohnen-Propellers auf einem Brushless-Motor – hier entsteht der Auftrieb eines Multicopters
Rotierender Flügel: Jedes Propellerblatt beschleunigt Luft nach unten – die Gegenkraft trägt die Drohne.

Vier Rotoren, zwei Drehrichtungen: das Drehmoment-Problem

Warum drehen sich die vier Propeller eines Quadrocopters nicht alle in dieselbe Richtung? Wegen des Drehmoments. Jeder Motor, der ein Propellerblatt gegen den Luftwiderstand antreibt, erzeugt ein Gegendrehmoment auf den Rumpf – die Drohne würde sich unkontrolliert um die eigene Achse drehen. Ein klassischer Hubschrauber braucht genau dafür seinen Heckrotor.

Der Quadrocopter löst das Problem eleganter: Zwei diagonal gegenüberliegende Propeller drehen im Uhrzeigersinn, die anderen beiden dagegen. Die Drehmomente heben sich gegenseitig auf, der Rumpf bleibt ruhig – ganz ohne zusätzlichen Rotor. Diese Anordnung ist der Grund, warum Multicopter immer eine gerade Anzahl von Rotoren haben: vier, sechs oder acht.

Steuerung ohne bewegliche Teile: Nicken, Rollen, Gieren

Ein Multicopter hat keine Ruder, keine Klappen, keine verstellbaren Rotorblätter. Gesteuert wird ausschließlich über die Drehzahlen der vier Motoren – und das reicht für jede Bewegung im Raum:

Flugmanöver einer Drohne und die zugehörige Motoransteuerung
Manöver Was die Motoren tun Ergebnis
Steigen / Sinken Alle vier Motoren beschleunigen oder verlangsamen gemeinsam Mehr oder weniger Gesamtschub – die Drohne ändert die Höhe
Nicken (Pitch) Die hinteren Motoren drehen schneller als die vorderen Die Nase senkt sich, der Schub bekommt eine horizontale Komponente – die Drohne fliegt vorwärts
Rollen (Roll) Die Motoren einer Seite drehen schneller als die der anderen Die Drohne neigt sich seitlich und fliegt zur Seite
Gieren (Yaw) Das im Uhrzeigersinn drehende Motorpaar beschleunigt, das andere bremst ab Die Drehmomente heben sich nicht mehr auf – die Drohne dreht sich um die Hochachse

Der Gesamtschub bleibt bei Nick-, Roll- und Gierbewegungen nahezu konstant – der Flugregler verrechnet alle Steuerbefehle gleichzeitig und verteilt sie auf die vier Motoren. Dass das funktioniert, verdanken moderne Drohnen bürstenlosen Elektromotoren: Sie ändern ihre Drehzahl innerhalb von Millisekunden, gesteuert von elektronischen Drehzahlreglern (ESCs). Ein Verbrennungsmotor könnte niemals schnell genug reagieren.

Der Flugregler: hunderte Entscheidungen pro Sekunde

Kein Mensch kann vier Motordrehzahlen gleichzeitig so fein dosieren, dass ein Multicopter ruhig steht. Diese Arbeit übernimmt der Flugregler (Flight Controller) – ein Mikrocontroller, der das Fluggerät permanent stabilisiert. Seine wichtigste Datenquelle ist die inertiale Messeinheit (IMU): Gyroskope messen die Drehraten um alle drei Achsen, Beschleunigungssensoren die Lage im Raum. Dazu kommen ein Barometer für die Höhe, ein Kompass für die Ausrichtung und der Satellitenempfänger für die Position.

Flugcontroller-Platine einer Drohne mit IMU-Sensorik in Makroaufnahme – das Gehirn der Flugstabilisierung
Wenige Gramm Elektronik, volle Kontrolle: Auf dem Flugcontroller laufen alle Sensordaten zusammen.

Das Prinzip dahinter ist ein Regelkreis: Der Flugregler vergleicht viele hundert Mal pro Sekunde den Sollzustand („waagerecht schweben“) mit dem Istzustand aus den Sensoren und korrigiert die Differenz über die Motordrehzahlen – in der Regelungstechnik als PID-Regelung bekannt. Kippt eine Böe die Drohne um zwei Grad nach rechts, melden die Gyroskope die Drehung, noch während sie passiert. Der Regler erhöht die Drehzahl der rechten Motoren einen Sekundenbruchteil lang, die Drohne richtet sich auf. Der Pilot sieht davon: nichts. Genau diese Regelgeschwindigkeit ist der Grund, warum sich eine 2-kg-Drohne bei Wind ruhiger verhält als ein Modellhubschrauber vergangener Jahrzehnte.

Nebenbei bemerkt: Die Sensorik, die das möglich macht, stammt aus dem Smartphone. Erst die Massenfertigung von MEMS-Gyroskopen und Beschleunigungssensoren für Mobiltelefone machte sie so klein und günstig, dass sie in jede Drohne passen. Mehr dazu in unserem Rückblick auf zehn Jahre Drohnentechnik.

GNSS: Woher die Drohne weiß, wo sie ist

Die IMU stabilisiert die Fluglage, aber sie beantwortet nicht die Frage nach dem Wo. Dafür ist das globale Satellitennavigationssystem zuständig – kurz GNSS. Der Sammelbegriff umfasst das amerikanische GPS, das europäische Galileo, das russische GLONASS und das chinesische BeiDou. Moderne Drohnen empfangen mehrere dieser Systeme parallel und sehen damit oft 20 bis 30 Satelliten gleichzeitig.

Das Messprinzip: Jeder Satellit funkt seine Position und die exakte Uhrzeit. Aus der Signallaufzeit berechnet der Empfänger die Entfernung zu jedem Satelliten – und aus mindestens vier Entfernungen seine Position im Raum. Die Genauigkeit liegt dabei im Bereich weniger Meter. Schuld daran sind physikalische Störquellen: Die Signale werden in der Ionosphäre und Troposphäre unterschiedlich stark verzögert, Satellitenuhren driften minimal, und in der Nähe von Gebäuden kommen reflektierte Signale als Mehrwegeffekt dazu.

Für das Fliegen selbst reicht das völlig: Position halten gegen den Wind, automatische Wegpunktflüge, Rückkehr zum Startpunkt – alles GNSS-gestützt. Für die Vermessung reicht es nicht. Wer aus Luftbildern Lagepläne oder Volumina ableiten will, braucht die Position nicht auf drei Meter, sondern auf wenige Zentimeter genau.

RTK: Aus Metern werden Zentimeter

Hier kommt RTK ins Spiel – Real Time Kinematic. Die Idee: Eine Referenzstation an einem exakt bekannten Punkt empfängt dieselben Satellitensignale wie die Drohne. Da die Station ihre wahre Position kennt, kann sie den aktuellen Messfehler jedes Satellitensignals live berechnen – und diese Korrekturdaten an die Drohne funken, per Funkstrecke oder Mobilfunk.

RTK-Basisstation auf Stativ und Vermessungsdrohne im Feld – GNSS-Korrekturdaten für zentimetergenaue Positionierung
Referenz am Boden, Präzision in der Luft: Die RTK-Basisstation liefert der Drohne Korrekturdaten in Echtzeit.

Der zweite Baustein ist die Messmethode: Statt allein auf die Laufzeitmessung zu setzen, wertet ein RTK-Empfänger die Trägerphase aus – die Schwingung des Funksignals selbst, deren Wellenlänge nur rund 19 Zentimeter beträgt. Hat der Empfänger die Mehrdeutigkeit der Wellenzählung gelöst (die sogenannte Fixed-Lösung), kennt er seine Position auf 1 bis 2 Zentimeter horizontal und 1,5 bis 3 Zentimeter vertikal.

In Deutschland muss dafür nicht einmal eine eigene Basisstation aufgebaut werden: Der Satellitenpositionierungsdienst der Landesvermessung (SAPOS) betreibt ein flächendeckendes Netz von Referenzstationen und liefert die Korrekturdaten über Mobilfunk direkt an die Drohne. Als Alternative existiert PPK (Post Processed Kinematic): Dabei werden die Rohdaten aufgezeichnet und erst nach dem Flug mit den Referenzdaten verrechnet – nützlich überall dort, wo während des Fluges keine stabile Datenverbindung besteht.

Warum das für die Vermessung den Unterschied macht

Bei einer Drohnenvermessung speichert die RTK-Drohne zu jedem Luftbild die zentimetergenaue Kameraposition. Die Photogrammetrie-Software verrechnet hunderte solcher Bilder zu Orthofotos, Punktwolken und Geländemodellen – und weil jedes Bild präzise georeferenziert ist, stimmt auch das Ergebnis: Lagegenauigkeiten von 1 bis 3 Zentimetern, wie sie Bauunternehmen und Planungsbüros für Massenermittlung und Bestandsdokumentation brauchen.

Der praktische Nebeneffekt: Der Aufwand für Passpunkte am Boden sinkt drastisch. Statt einem Dutzend eingemessener Bodenmarken genügen wenige Kontrollpunkte zur Qualitätssicherung. Was das gegenüber der klassischen Vermessung an Zeit und Kosten spart, haben wir im direkten Methodenvergleich durchgerechnet.

Und wenn etwas ausfällt? Die Sicherheitsnetze

Die Frage stellt jeder Auftraggeber irgendwann: Was passiert, wenn die Verbindung abreißt? Moderne Drohnen beantworten sie mit gestaffelten Rückfallebenen. Reißt der Steuerbefehl ab, wartet das System kurz auf Wiederverbindung und fliegt dann selbstständig auf sicherer Höhe zum Startpunkt zurück (Return to Home). Fällt das GNSS-Signal aus – etwa zwischen hohen Gebäuden –, stabilisiert die Drohne ihre Lage weiter über IMU, Barometer und optische Sensoren, nur die automatische Positionshaltung entfällt. Und definierte Grenzen im Flugregler (Geofencing) verhindern, dass das Fluggerät genehmigte Höhen oder Gebiete verlässt.

Wie belastbar diese Systeme sind, entscheidet am Ende mit darüber, welche Einsätze eine Behörde genehmigt – womit wir bei der Betriebsgenehmigung wären. Bei AerIQ fliegen RTK-fähige Systeme mit dokumentierten Notverfahren – für Vermessung, Inspektion und Dokumentation in Kassel, Nordhessen und bundesweit. Sprechen Sie uns an, wenn Sie zentimetergenaue Daten aus der Luft brauchen.

Häufige Fragen zur Flugphysik von Drohnen

Warum haben Drohnen immer eine gerade Anzahl von Rotoren?

Wegen des Drehmomentausgleichs: Die Hälfte der Propeller dreht im Uhrzeigersinn, die andere Hälfte dagegen. So heben sich die Gegendrehmomente der Motoren auf, und der Rumpf bleibt ruhig. Bei einer ungeraden Rotorzahl bliebe ein Restdrehmoment, das ständig ausgeglichen werden müsste.

Kann eine Drohne bei Motorausfall noch landen?

Ein Quadrocopter nicht kontrolliert – fällt einer von vier Motoren aus, fehlen Schub und Momentengleichgewicht an einer Ecke. Hexa- und Octocopter mit sechs oder acht Rotoren können den Ausfall einzelner Motoren dagegen kompensieren und kontrolliert landen. Deshalb kommen bei schweren Nutzlasten und kritischen Einsätzen oft Systeme mit Rotorredundanz zum Einsatz.

Was ist der Unterschied zwischen GPS und GNSS?

GPS ist das amerikanische Satellitennavigationssystem – eines von mehreren. GNSS ist der Oberbegriff für alle: GPS, Galileo (EU), GLONASS (Russland) und BeiDou (China). Moderne Drohnen nutzen mehrere Systeme gleichzeitig und erhalten so mehr sichtbare Satelliten, stabileren Empfang und eine zuverlässigere Positionslösung.

Braucht RTK eine Internetverbindung?

Für Netzwerk-RTK über einen Dienst wie SAPOS ja – die Korrekturdaten kommen über Mobilfunk. Alternativ funkt eine eigene Basisstation vor Ort die Korrekturen direkt an die Drohne, ganz ohne Internet. Und wo beides nicht praktikabel ist, bleibt PPK: Rohdaten aufzeichnen und nach dem Flug auswerten – mit vergleichbarer Genauigkeit.

Wie genau ist eine RTK-Drohne wirklich?

Mit stabiler Fixed-Lösung liegt die Positionsgenauigkeit bei 1 bis 2 Zentimetern horizontal und 1,5 bis 3 Zentimetern vertikal. Für Vermessungsergebnisse kommt die Qualität der Kamera, der Flugplanung und der Auswertung dazu – in der Praxis erreichen professionelle RTK-Befliegungen Lagegenauigkeiten von 1 bis 3 Zentimetern im Endprodukt.

AerIQ Aerial Intelligence
Über den Autor

AerIQ Aerial Intelligence e.K.

Zertifiziertes Drohnen-Vermessungs- und Inspektionsunternehmen aus Kassel & Nordhessen. Spezialisiert auf Vermessung, Thermografie, PV-Inspektion, BIM und Kulturerbe-Digitalisierung. EU-Drohnenführerscheine A1/A3 & A2, BVLOS-Genehmigungen, Haftpflicht bis 5 Mio €.

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